Wirklich TOLL: Terry Pratchett – Der fünfte Elefant

Terry Pratchett – Der fünfte Elefant

Momentan habe ich zum lesen leider kaum Zeit. Aber ein paar Seiten pro Tag müssen es schon sein, denn so richtig wohl fühle ich mich nicht wirklich, wenn ich nicht wenigstens kurz ein Buch vor der Nase gehabt habe. Nach einem Thriller und zwei „Seitensprüngen“ (Bücher abseits meiner herkömmlich bevorzugten Genres), möchte ich euch heute von meinen Leseeindrücken eines Buches berichten, was ohne Zweifel dem Bereich Fantasy zuzuschreiben ist: Terry Pratchett – Der fünfte Elefant.

 

Klappentext:

Sam Mumm von der Stadtwache reist als Botschafter Ankh-Morporks in das geheimnisvolle und fettreiche Land Überwald. Dort erfährt er, dass den Zwergen die uralte Steinsemmel, das Symbol der Königswürde, gestohlen wurde. Er stellt Ermittlungen an und gerät prompt in die verwickelten politischen Auseinandersetzungen zwischen Zwergen, Werwölfen und Vampiren.

 

Meine Leseeindrücke:

„Der fünfte Elefant“ ist Teil der Wächter-Reihe. Auf Sam Mumm, der in gewohnter Art sein Dasein fristet, kommen harte Zeiten zu. Er ahnt bereits etwas, als er zu dem Patrizier Lord Vetinari bestellt wird, doch da ist es bereits zu spät: Mumm muss als Diplomat nach Überwald. Diese Vorstellung alleine ist für Scheibenwelt-Kenner sicherlich schon einen Lacher wert, denn der sture und bodenständige Hauptmann der Wache kann einfach keinen Gefallen daran finden, seine Gardeuniform zu tragen. Und das liegt nicht nur an der Feder auf dem Helm, auch die Strumpfhosen machen ihn nicht sehr glücklich. Es verwundert gar nicht, dass Sam Mumm auch in diesem Band wieder herrlich schrullig dargestellt wird, ohne in meinen Augen an Sympathie zu verlieren. Zudem wird er wieder von seiner besten Seite gezeigt: nichts hält ihn auf, wenn er auf eine Spur gestoßen ist, da stellen auch Werwölfe und Vampire keine Ausnahmen dar.

 

Während Mumm seine diplomatischen Fähigkeiten unter Beweis stellt, was seinen Verhandlungspartnern sicher die eine oder andere Unannehmlichkeit bereitet, die bei dem Leser oft mehr als nur ein Schmunzeln hervorrufen, stellt sich die Werwölfin Angua, selbstredend ist auch sie im Zuge der Gleichberechtigung für Minderheiten auch Teil der Stadtwache, ihrer Vergangenheit. Dieser Handlungsstrang hat mir ehrlich gesagt nicht so gut gefallen. Denn Hauptmann Karotte (ihr „Lebensabschnittsgefährte“, seines Zeichens ein zwei Meter großer Zwerg) und Angua machen in den übrigen Wachen-Romanen einen sehr sympathischen Eindruck. In „Der fünfte Elefant“ bekommt dieses Bild einen kleinen Knacks. Das mag daran liegen, dass man so durch diesen Teil der Handlung durchgezogen wird. Die Ruhe und Gelassenheit, die die beiden sonst ausstrahlen, auf denen ihr Erfolg beruht, fehlt vollkommen in dieser Hetzjagd durch den Roman. Natürlich mag ich beide dennoch auch in diesem Band, aber ich bin gespannt, was der nächste Wächter-Roman in dieser Hinsicht für mich bereithält.

 

Die einzelnen Handlungsstränge sind wieder sehr gut aufeinander abgestimmt und ergeben ein Rundes Gesamtbild. Natürlich kann man sich schon relativ früh denken, wer der gemeine Semmeldieb ist und was mit der heiligen Semmel passiert ist, aber auf die Lösung des Falls kommt es wie bei vielen Wachen-Romanen ja auch gar nicht an, da Pratchett es immer wieder schafft neue Überraschungen aus dem Hut zu zaubern, selbst wenn bereits alle Karten auf dem Tisch liegen. Viel Interessanter für mich waren auch diesmal wieder die kleinen Nebenhandlungen, wie zum Beispiel der Ausbau des Kommunikationssystems und die Einführung strengerer Verkehrsregeln in Ankh-Morpork. Es geschehen noch Zeichen und Wunder! :D

„Der fünfte Elefant“ ermöglicht dem Leser zudem einen Einblick in die Sagen und Mythen der Scheibenwelt. Wir erfahren, dass es ursprünglich einmal fünf Elefanten gab, die auf dem Rücken der Schildkröte Groß A’Tuin gestanden haben. Sein Schicksal hat die Menschen aus Überwald zu begehrten Handelspartnern gemacht. Wer mehr über den Abbau von Fett, die Rangordnung von Werwolffamilien oder abstinente Vampire erfahren möchte, sollte sich diesen Band der Wächter-Reihe nicht entgehen lassen!

 

Von mir gibt es 5 von 5 Punkten – ein TOLLES Buch!

 

PS: Es ist ratsam, die Bände der einzelnen Reihen (Wachen / Tod / Hexen / Zauberer)  in der empfohlenen Lesereihenfolge zu lesen. Denn auch wenn viele der Romane abgeschlossen sind, bauen die Handlungen schon in gewisser Weise aufeinander auf. Pratchett-Neulinge sollten, wenn sie nun Lust auf „Der fünfte Elefant“ bekommen haben, mit „Wachen! Wachen!“ beginnen und sich dann zu „Der fünfte Elefant“ „hochlesen“. Ihr werdet es auf keinen Fall bereuen ;)!

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